Rezension: Ein Engel für Jule von Jo Berger


(c) Jo Berger













Seitenzahl der Print-Ausgabe: 334 Seiten
ASIN: B00Z1I6I7K



Klappentext:

Ein zauberhafter Liebesroman mit viel Humor und einem Hauch Magie

Jule liebt Simon. Er ist ein erfolgreicher Mann, der nicht nur gut aussieht, sondern auch sonst alles hat, was eine Frau sich nur wünschen kann. Allerdings lässt der ersehnte Heiratsantrag von Simon verdammt lange auf sich warten. Darüberhinaus wollen Jules Freundinnen ihr doch tatsächlich einreden, dass der Womanizer Simon sie nach Strich Faden hintergeht und nichts anbrennen lässt.
Lächerlich! Jule glaubt ihnen kein Wort! Doch dann erklärt ihr der feurige Italiener Marcello seine Liebe, zur selben Zeit taucht ein sehr sympathischer Nachbar auf und Jule bekommt eine neue und ziemlich sonderbare Kollegin. Urplötzlich findet Jule sich in Situationen wieder, die ihr Leben mächtig auf den Kopf stellen.
Und auf einmal ist alles anders.

Der Roman ist in sich abgeschlossen. Garantiertes Happy End.

Beurteilung:

Ich gestehe, dass ich dieses Buch nach seinem Nachfolger gelesen habe. Aber eines ist gewiss, man kann die Bücher wunderbar unabhängig voneinander lesen. Auch wenn minimale Feinheiten nur in der Summe Sinn ergeben mögen. Aber ich habe ja noch nie ein Herz für Erbsenzähler gehabt.

Mit "Ein Engel für Jule" liegt uns Elisa's erster Fall als Engel auf Erden vor. Ein Fall, der nicht von schlechten Eltern ist.

Elisa ist der Inbegriff eines Engels. Blond. Blaue Augen. Ein Herz aus Gold. Und null Plan vom Leben auf der Erde. Natürlich hat Gott zwar ein Mittelchen mit dem er seinen Gehilfen die Grundlagen des menschlichen Lebens sprichwörtlich einflößt. (Dinge wie Wortschatz oder wofür man gewisse Dinge nutzt) Nichtsdestotrotz beschert uns Elisa so manchen Lacher und Schmunzler. Elisa ist halt einfach herzig und es macht Spaß alltägliches durch ihre ungetrübten unschuldigen Augen zu erleben.
Sie erfreut sich am Gesag der Vögel, am Anblick der Natur oder am Geschmack von warmen Dinkelbrot mit Butter. Kurzum sie genießt das Leben und steckt ihr Umfeld einfach an. So auch Jule.

Jule ist 29 und das, was man einen Kontrollfreak nennen könnte. Seit 2 Jahren ist sie mit ihrem "Herzblatt" Simon zusammen und schmiedet fleißig Pläne. Sie hört schon die Hochzeitsglocken läuten und ihre zwei Kinder (natürlich Mädchen wie gewünscht) im Garten toben. Alles ist perfekt durchgeplant und einer strengen Ordnung unterworfen. Alles dezent, gedeckt, unauffällig...bieder. Stets passt sie sich an und springt, wenn Simon ruft. Findet die wildesten Entschuldigungen für ihn...Stress, Überstunden, Geschäftsreisen blablabla...Für jegliche Zweifel oder Kritiken ist sie taub und blind.

Simon...ja, diesen Mann habe ich gefressen. Treulose, verlogene, scheinheilige, narzistische, nymphomanische falsche Schlange. Immer wieder versetzt er Jule. Lässt Verabredungen kurz vor knapp platzen, kommt zu spät etc etc. Dabei schiebt er Dinge wie Überstunden, Kollegen mit Problemen oder Krankheit vor,...während er sich in Wahrheit durch die hessischen Betten vögelt.
(Tripper, Pest, Pilze, Herpes wünsche ich diesem....)

Tja, nun steht Elisa also vor der Mammutaufgabe Jule die Augen zu öffnen, ohne diese Schmerz und Leid auszusetzen. Doch wie gesagt Jule ist sturer als ein Esel und verweigert sich jeglichem Zweifel und Argument. Was nicht passt wird passend gemacht oder schlicht ignoriert.

Wer nun meint Liebe mache halt blind,...Jule ist der Beweis.

Wobei ist es wirklich die Liebe, die sie blind macht oder nicht eher nur die Idee von der Liebe ? Ein Traum?
Wird Elisa es schaffen Jule aus ihrem Traum zu erwecken? Welche Rollen spielen dabei ein neuer Nachbar, ein Fläschchen Magie und ein Sex-Shop?

Anfangs hatte ich ja schon eine gewisse Wut auf Jule. Wie bitte kann man sich so verbohrt in eine Idee verrennen? Ist das Ticken der biologischen Uhr so laut, dass davon Synapsen im Hirn von der Wand fallen? Ich wollte schreien und toben, Jule schütteln ob ihrer Naivität.

Aber zeitgleich tat sie mir auch irgendwie leid. Weil sie doch nur auf der Suche nach Liebe und Anerkennung ist....und dabei leider nur bei diesem dämlichen Simon gelandet ist.

Dieses Bürschchen hat mein Wortschatz in neue Ebenen katapultiert. Also in Sachen Schimpfworte! (ich habe diesen Text extra noch einmal zensiert, sonst würde wohl so mancher Schimpfwortfilter Alarm schlagen!)
Simon Grasser hat null Gefühle für Jule und ist nur auf seinen Vorteil bedacht. Er sucht nur eine attraktive, halbwegs geistreiche, intelligente, nachsichtige, anpassungsfähige, ruhige graue Maus, die für ihn die Vorzeigeehefrau, Hausfrau, Mutter seiner 2,5 Kinder, Gastgeberin und Gelegenheitsbetthäschen miemt. Brav und genügsam Zuhause sitzt und auf ihn wartet, während er sich durch fremde Betten rollt.

Ja! Dieser Mann verursacht mir Brechreiz und ein Kribbeln in der Faust!

Wie man unschwer erkennen kann hat Jo Berger mich voll und ganz gepackt. Sie liefert ein Komplettpaket für alle Sinne. Humor, zarte Gefühle, Momente für Tranchen oder Herz...und die Hassfigur des Jahres!

Ein Buch, das mich wunderbar unterhalten hat und dazu aufruft, dass Liebe mehr ist als ein Plan, Sicherheit und Bequemlichkeit. Denn nur wer wirklich liebt und geliebt wird, wird leuchten...und dieses Leuchten ist für Jedermann sichtbar!

Eine wunderbare Geschichte, die von mir 5 von 5 Eier bekommt (Achtung! Wenn ihr das Buch lest, werdet ihr verstehen wieso Eier...ich habe jetzt noch Muskelkater im Zwerchfell vom Lachen!)

#66/2017

Danke an Melinda und Michelle, dass wir das Buch gemeinsam gelesen haben. Die Diskussionen und Dialoge über gewisse Passagen waren herlich!

Kommentare