Rezension: Die Terranauten von T.C. Boyle

(c) Hanser Verlag








Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag  
Erscheinungsdatum: (2016) 
in der 3.Auflage: 09.01.17
Erschienen: ISBN-10: 3446253866
ISBN-13: 978-3446253865



Klappentext:

In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn – und sie wird schwanger. Kann sie das Kind austragen? T.C. Boyles prophetisches und irre komisches Buch, basierend auf einer wahren Geschichte, berührt die großen Fragen der Menschheit.


Inhalt:

Das Motto der acht Terranauten lautet: "Nichts rein - nicht raus"!
Sie tun wirklich so, als ob es für sie kein Entkommen gibt und nehmen sich und die Mission mehr als ernst und wichtig. 
Hey, sie sind auf der Erde, in einer Glaskuppel, in der Wüste von Arizona und werden ständig überwacht und haben Kontakt zur Außenwelt.

Die Illusion der heilen Welt und Möglichkeit der Umsiedlung auf den Mars sind eigentlich hier schon mehr als utopisch, denn die Sphäre ist nicht autark sondern abhängig vom Stromnetz.

Das Buch ist eine Aneinanderreihung von Erzählungen aus verschiedenen Perspektiven. 
Die Sichtweise wechselt zwischen den drei Hauptprotagonisten: Ramsey Roothorp, Dawn Chapman (beide in der Ecosphere) und Linda Ryu, die draußen eine Arbeitsdrohne von Mission Control, Spitzel und angeblich beste Freundin von Dawn ist. 

Während wir erfahren, wie hart das Leben innerhalb der Kuppel ist, erleben wir auf der anderen Seite, wie die Werbemaschinerie anläuft und Geld mit den Terranauten und dem ganzen Projekt geschäffelt wird. Da fragt man sich schon, was der eigentliche Zweck ist: Pure Geldmaschine oder ein Ököprojekt, dass dem Überleben der Menschheit dienen soll...

Fazit:

Auch wenn von Schwierigkeiten, ernsthaften Problemen und Reibereien untereinander berichtet wird, fühle ich mich völlig unberührt von allem. Ich habe den Eindruck, dass alles nur oberflächlich angekratzt wird ohne die nötige Tiefe und ohne emotionale Töne.
Der Humor, der dem Buch innewohnen soll, den habe ich leider auch nicht gefunden...

608 Seiten reine Erzählung über persönliche Missstimmungen, Eitelkeiten, Neid, Verfehlungen, Egozentrik,  die absolute Wichtigkeit der Mission und unfassbar unglaubwürdigen Handlungen. 
Hinzukommt der voyaristische Charakter durch die ständigen Besucher an den Glasscheiben, den Kameras innerhalb von E2 und der totalen Überwachung durch Mission Control. An einigen Stellen habe ich mich stark an Big Brother erinnert gefühlt.

Parallel habe ich über das echte Projekt "Biospähre" in den 90ern recherchiert und gelesen was dort damals abgelaufen ist. Man findet im Buch Anspielungen auf die Realität, die allerdings nicht diesen heldenhaften acht Terranauten passieren, sondern im Buch alle der ersten Besetzung passiert sind, daher wohl auch der übersteigerte Ehrgeiz niemals die Schleuse zu öffnen und der Welt zu beweisen, wie echte Helden aussehen.

Mein persönliches größtes Manko, sind die Phrasen: "Sie wissen ja, wie es ausgegangen ist." oder "Sie erinnern sich doch an..."  
Nein, ich konnte mich nicht erinnern wie es ausgegangen ist, denn es sind alles Verweise auf zukünftige Geschehen und damit werden viele Ereignisse nur angedeutet, aber nie wirklich erzählt.

Trotzdem lese ich weiter, ich will mehr erfahren, ich will wissen wie es weitergeht, ich will wissen ob der wissenschaftliche Aspekt mehr zum Vorschein kommt, was leider nicht der Fall ist.
Das Ende fühlt sich an, als ob die Geschichte einfach abbricht. Es ist kein offenes Ende, bei denen der Autor Spielraum lässt für eigene Gedanken, es macht auf mich mehr den Eindruck: Jetzt ist Mission 2 zu Ende und ich höre auf zu schreiben.

Ich habe das Buch zugeschlagen und kann nicht wirklich sagen wie ich mich fühle in Bezug auf die Geschichte, die ich gerade gelesen habe. Streckenweise habe ich mich gut unterhalten gefühlt aber in Verbindung mit dem Ende lässt mich das Buch dann doch eher unbefriedigt zurück.

Für "Die Terranauten" kann ich leider nur 3 von 5 Punkten geben.

Kommentare

  1. Schade das die das Buch nicht so packen konnte, habe schon viele durchwachsene aber auch begeisterte Meinungen gelesen. Es wird zwar auf der WuLi bleiben, aber nicht allzu schnell bei mir einziehen.

    Hab einen feinen Samstag!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank, den wünsche ich Dir auch. Lass es drauf, denn es gibt auch viele gute Meinungen zu dem Buch. Ich bin halt sehr zwiegespalten.
      Liebe Grüße

      Löschen
  2. Ich stimme Dir zu, dass mir das Ende auch nicht wirklich gefallen hat.
    Ich habe die gekürzte Hörbuchversion gehört und diese Straffung hat der Geschichte wohl gut getan. Der Vergleich mit Big Brother kam mir auch öfter in den Sinn, weil doch das Zwischenmenschliche im Vordergrund stand und das Ganze aber doch oberflächlich blieb.

    Ja, gut unterhalten hat das Hörbuch schon, aber auch ich konnte kein schönes knackiges Fazit ziehen, weil es genug Dinge gab, die mir gut gefallen haben, aber andere, die mich wieder ziemlich störten. Du hast dieses Zwiegespaltene gut ausgedrückt.

    Am Ende muss sich wohl doch jeder selbst ein Urteil bilden.

    LG Gabi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich glaube, dass mir die gekürzte Hörbuch Variante besser gefallen hätte. Es freut mich, dass Du meine Gefühle nachvollziehen kannst.
      Liebe Grüße

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Danke für Deine Meinung!!!