Rezension: Harper Lee - Wer die Nachtigall stört & Gehe hin, stelle einen Wächter

(c) argon Verlag - Hörbuch


















Klappentext:

Harper Lee beschwört den Zauber und die Poesie einer Kindheit im tiefen Süden der Vereinigten Staaten: Die Geschwister Scout und Jem wachsen im Alabama der 1930er Jahre auf. Jäh bricht die Wirklichkeit in ihre behütete Welt ein, als ihr Vater, der Anwalt Atticus Finch, einen wegen Vergewaltigung angeklagten Schwarzen verteidigt. Finch lehrt seine Kinder Verständnis und Toleranz, allen Anfeindungen und Angriffen ihrer "ehrbaren" Mitbürger zum Trotz.

Unvergessliche Figuren, menschliche Güte und leiser Humor zeichnen den Roman aus, der in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde und die Herzen von Generation um Generation neu erobert.

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Klappentext:

In "Gehe hin, stelle einen Wächter" treffen wir die geliebten Charaktere aus "Wer die Nachtigall" stört wieder, 20 Jahre später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, "Scout", kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre, der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft. Bewegend, humorvoll und überwältigend - ein Buch, das seinem Vorgänger in nichts nachsteht.


Mit diesen beiden Hörbüchern habe ich mich an Genre begeben, dass nicht unbedingt zu meinem ausgewählten Lieblingen gehört: Gesellschaftskritische Dramen, sind eher nicht mein Metier.

Doch die vielen positiven Bewertungen und Meinungen zu diesen beiden Büchern in meinen Büchergruppen und im Freundeskreis haben mich immer wieder mit der Nase auf Harper Lee gestoßen.

Here we go:

"Wer die Nachtigall stört"
In den 1930er Jahren wachsen die Geschwister Scout (8) und Jem (12) Finch in dem beschaulichen Städtchen Maycomb in Südalabama auf. Ihre Mutter starb früh und so übernimmt Vater Atticus Finch die Erziehung. Die schwarze Köchin Calpurnia gehört ebenfalls zur Familie und sorgt derweil für die nötige Strenge in der Erziehung der Kinder. Atticus ist ein angesehener Anwalt in der Stadt und ein sehr gerechter und liebevoller Vater.
Er erzieht die beiden Kinder zu toleranten und einfühlsamen Menschen.

Das größte Problem und zu lösendes Rätsel des Geschwisterpaares ist wohl der Nachbar Boo Radley, über welchen sich allerlei Gruselgeschichten ranken und den sie nie zu Gesicht bekommen.

Doch dann ändert sich alles: Atticus wird als Pflichtverteidiger bestellt für einen Schwarzen. Wie man ahnen kann, handelt es sich nicht um ein einfaches Vergehen sondern um ein Kapitalverbrechen.
Ab sofort ändert sich einiges im gewohnten Leben der Familie Finch und der Stadt Maycomb. Nicht nur das gerechte Weltbild gerät für die Kinder ins Schwanken, auch sehen sie sich mehr und mehr einer wirklichen Gefahr ausgesetzt…
Die Konflikte, die durch die Verteidigung und den Einsatz von Atticus für den Angeklagten mit sich bringen, lösen bei Scout und Jem Ungläubigkeit, Angst und Frustration aus. Aber Vater Atticus ist ihnen in seinem Streben nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung immer ein leuchtendes Vorbild.

Harper Lee erzählt  in Form von Rückblicken die Geschehnisse dieser 2-3 aufregenden Jahre. Wir erfahren aus der naiven Sichtweise eines Mädchens von Rassenhass, Diskriminierung, und Klassenunterschieden. Diese kindliche Sichtweise bringt vieles auf eine simple Art auf den Punkt und nimmt auch ein wenig den Schrecken der Situation.

Hier noch ein Zitat von Scout: "Nein, Jem, ich glaube, es gibt nur eine Art von Menschen. Einfach Menschen."


"Gehe hin, stelle einen Wächter"
"Jedes Jahr reist Jean-Louise Finch (Scout) aus dem mondänen, aufgeklärten New York zurück in ihre Heimatstadt Maycomb im Süden der USA, um den Sommer bei ihrer Familie zu verbringen. Doch diesmal ist etwas anders als sonst: In dem beschaulichen Städtchen breiten sich Rassenunruhen aus, und Jean-Louise wird fassungslos Zeugin, wie ihr Vater Atticus in der ersten Reihe steht. Die bewegende Geschichte einer Tochter, die sich von ihrem geliebten Vater emanzipieren muss, um zu sich selbst zu finden; ein Zeitdokument tiefgreifender gesellschaftlicher Umbrüche und ein literarischer Fund, der seinesgleichen sucht." (Quelle: lovelybooks.de)

Zwischen den Geschichten liegen zwanzig Jahre und es hat sich viel verändert in dieser Zeit: 
Jean-Louise lebt in New York und verbringt nur noch ihren Urlaub in der Heimatstadt. Hank ist mehr als nur noch ein guter Freund aus Kindertagen. Er ist Atticus wie ein Sohn ans Herz gewachsen, arbeitet zusammen mit Atticus und hat sich einen Namen in Maycomb erarbeitet und er geht davon aus, dass er und Jean-Louise heiraten werden.

Ein Bürgerrat hat sich in Maycomb gegründet. Auf einmal ist die Rede von Negerbevölkerung, ungebildetem weißen Pack, Rassentrennung, rückständigen und kulturell fortgeschrittenen Menschen.
Davon, dass man sich vor den Schwarzen und die Schwarzen vor sich selber schützen muss...  Mittendrin ist Atticus, der Mensch, zu dem sie ihr Leben lang größtes Vertrauen hatte, den sie vergötterte. Ihr Vater, der sich stets für die Gerechtigkeit und Gleichbehandlung eingesetzt hatte. Dann ist da noch Hank, auch er ist mit von der Partie. 
Jean-Louise ist angewidert von der eigenen Familie, von Hank von der Bevölkerung von Maycomb. 

Dieses Buch ist eindringlicher, die Konflikte und der Rassenhass werden hier viel deutlicher thematisiert. Es ist schockierend und berührend. Ich habe mit Jean-Louise alle Höhen und Tiefen mitgemacht. Was diesen zweiten Teil so anders macht ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass die Protagonisten erwachsen geworden sind und daher die Realität nicht mehr gefiltert an den Leser weitergeben werden.
Eins muss ich an dieser stelle noch sagen: Die strahlend weiße Rüstung, die Atticus für mich im ersten Teil hatte, wird mit diesem Buch mächtig angekratzt.

Beide Bücher könnten aktueller nicht sein. Sie erzählen von Toleranz, von Gleichberichtigung und appellieren an einen respektvollen Umgang miteinander.

Jetzt noch ein paar Worte zu der Autorin, die auf audible.de in Zusammenhang mit dem zweiten Roman zu finden sind:

"Harper Lee hat bisher nur einen Roman veröffentlicht, doch dieser hat der US-amerikanischen Schriftstellerin Weltruhm eingebracht: "Wer die Nachtigall stört", erschienen 1960 und ein Jahr später mit dem renommierten Pulitzer-Preis ausgezeichnet, ist mit 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in mehr als 40 Sprachen eines der meist gelesenen Bücher weltweit. Mit "Gehe hin, stelle einen Wächter" - zeitlich vor "Wer die Nachtigall stört" entstanden - erscheint nun das Erstlingswerk. Das Manuskript wurde nie veröffentlicht und galt als verschollen - bis es eine Freundin der inzwischen 88-jährigen Autorin im September 2014 fand." (Quelle: audible.de)

Volle 5 von 5 Punkten für diese wirklich meisterlichen Werke.

Hier die Informationen zu den beiden Hörbüchern:

"Wer die Nachtigall stört:
Autor: Harper Lee
Gesprochen von: Eva Mattes
Spieldauer: 12 Std. 22 Min., ungekürztes Hörbuch
Veröffentlicht:20.04.2015
Anbieter: Argon Verlag

"Gehe hin, stelle einen Wächter"
Autor: Harper Lee
Gesprochen von: Nina Hoss
Spieldauer: 07 Std. 31 Min., ungekürztes Hörbuch
Veröffentlicht:17.07.2015
Anbieter: Der Hörverlag

Kommentare

  1. Huhu!

    "Gehe hin, stelle einen Wächter" habe ich noch nicht gelesen, ich hatte mir eigentlich vorgenommen, erst "Wer die Nachtigall stört" nochmal zu lesen, weil das für mich über 20 Jahre her ist... Vielleicht hole ich mir die beiden Bücher auch als Hörbuch! :-)

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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