Gast-Rezension: Gesichter des Verrats von Marion Krafzik











Taschenbuch: 364 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
10. Dezember 2015
ISBN-10: 1519794673
ISBN-13: 978-1519794673


Klappentext:

Würde ich auch heute in der Gosse leben, wenn ich ein stärkerer, selbstbewussterer Mensch gewesen wäre, ein Mensch, der geliebt wird? Niemand hat mir erklärt, dass Liebe blind macht. Niemand hat mich gewarnt, dass ich mit meiner Wahl vorsichtig sein sollte. Oder habe ich die Warnungen nur ignoriert? Habe ich die Zeichen einfach verdrängt, weil ich so ausgehungert nach Liebe war? Doch die größte Last, die ich seit jener Nacht vor zwei Jahren in mir trage, ist der Verrat, den ich an dem einzigen Menschen, der mich uneingeschränkt liebte, beging. Aber hatte ich eine Wahl?

Beurteilung:

Ich habe mir das Buch auf eine Leseprobe hin zugelegt, und ich muss sagen, ich habe den Kauf nicht bereut.

Einerseits unsicher und unbeholfen, andererseits aber auch genial und zielstrebig, ist Anne eine traumatisierte Persönlichkeit, die sich – eigentlich – nichts sehnlicher wünscht, als so, wie sie ist, geliebt zu werden. »Reich geboren«, spielt Geld für sie jedoch gar keine große Rolle. Sie fühlt sich in der »gehobenen Gesellschaft« äußerst unwohl, hasst das vornehme Getue und die hinterhältigen Ränkespiele, die oft damit einhergehen. Auch will sie sich nicht an die Erfolge ihres Vaters, der sich mit großem Fleiß eine eigene Architektur-Firma aufgebaut hat, dranhängen, sondern unabhängig etwas Eigenes auf die Beine stellen, sich ihre Stellung im Leben selbst erarbeiten – und weigert sich daher lange Zeit, im Familienunternehmen einzusteigen, um dieses später zu übernehmen.

Um dem permanenten Druck ihres Umfeldes zu entfliehen, stürzt sich Anne in einen »Afrika-Urlaub«. Anfänglich will sie nur ihre Ruhe haben, aber Claudia und David, zwei Angestellte des Camps, holen sie mit ihrer Freundlichkeit und einer unaufdringlichen Penetranz aus ihrer selbstgewählten Isolation. Auch die Bekanntschaft mit Robert, einem weiteren Urlaubsgast, bringt Abwechslung und Glücksmomente in Annes bis dahin eher trauriges Leben. Eine große Wende nimmt ihren Anfang – und auf einmal ist nichts mehr wie vorher …

Die Geschichte ist rückblickend aus Annes Sicht erzählt. Man erfährt anhand ihrer Gefühle und deren Hintergründe sehr viel über sie und kann daher ihre Reaktionen, die einem als »Außenstehender« teilweise absurd erscheinen, besser nachvollziehen.

Als Leser weiß man häufig mehr als die Protagonistin selbst, denn gelungene Andeutungen verleiten dazu, sich seine »eigenen Gedanken« zu den Hintergründen der Handlungen anderer zu machen. Gekonnt werden Verdachtsmomente eingeflochten, die Spannung immer wieder in neue Sphären getrieben.

Ein superspannend erzählter Psycho-Thriller, den ich kaum aus der Hand legen konnte.

Ich habe mit Anne gelitten, gefiebert – hätte sie an manchen Stellen gerne einmal geschüttelt und angebrüllt: »Wach auf, Frau!!! Es kann doch nicht wahr sein, dass du das alles nicht mitkriegst!«

Auch wenn Thriller nicht unbedingt meine lesetechnische Erstwahl sind, kann ich diesen allen Fans dieses Genres doch sehr empfehlen.

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