Donnerstag, 20. April 2017

Rezension: Es beginnt am siebten Tag von Alex Lake

(c) HarperCollins








Broschiert: 480 Seiten
Verlag: HarperCollins
Erscheinungsdatum: 05.12.16
ISBN-10: 3959670559
ISBN-13: 978-3959670555




Klappentext:

Erst deine Tochter und dann du…

Der Albtraum einer jeden Mutter: Die fünfjährige Anna ist verschwunden, als Rechtsanwältin Julia sie von der Schule abholen will. Wurde sie entführt? Ist sie tot? Sechs Tage und Nächte voller Angst, sechs Tage voller Selbstvorwürfe. Am siebten Tag taucht das Mädchen wieder auf. Es scheint unverletzt und hat keine Erinnerung an das, was geschah. Julia und ihr Mann Brian sind unendlich erleichtert. Bis Julia merkt, dass das Schlimmste für sie nun erst beginnt. Denn wer auch immer ihre Tochter in der Gewalt hatte und wiedergebracht hat, will nicht das Kind vernichten …

Inhalt:

Das Buch ist unterteilt in zwei Teile: Davor und Danach.

Der Teil DAVOR umfasst 234 Seiten und erst dann sind wir am siebten Tag und damit  bei der Rückkehr von Anna angekommen.
Fast die Hälfte des Buches beschäftigen wir uns mit Julia, Ihrem noch Ehemann Brian, seiner Mutter Edna und lernen auch seinen Bruder Simon kennen. Wir begleiten die Familie in dieser schweren Zeit und erfahren, was die Polizei unternimmt um Anna zu finden. Parallel erleben wir, dass die Presse Julia an den Pranger stellt und sie von den Menschen quasi "zerrissen" wird. Hier fragen wir uns schon, woher die Presse diese Informationen haben mag.

Ich würde die ersten 234 Seiten nicht Thriller nennen, sondern als Psychogramm einer völlig zerrütteten Familie beschreiben.

Eindringlich beschreibt Alex Lake diese Zeit, die Gefühle der Mutter, das gestörte Verhältnis zu Brian und die dominante Schwiegermutter. Was uns hier geboten wird ist eigentlich ein echtes Familiendrama. Wir erleben was Stress, Wut, Trauer und Machtlosigkeit aus Menschen in so einer Situation macht.
Wir erfahren Einzelheiten aus der Vergangenheit der Protagonisten und erhalten so ein gutes Bild über die komplette Familie.

In einigen Passagen ermöglicht uns der Autor einen Blick auf den Täter zu werfen. Diese Passagen weichen vom Stil her tatsächlich stark vom Rest ab, denn dort wird von der Sprache her in die Anrede "DU" verfallen, als ob jemand in der dritten Person von sich selber spricht. Ein für mich interessanter Ansatz, der mir gut gefallen hat.

Das Buch ist bis zu diesem Moment leider nicht wirklich spannungsgeladen, denn wir wissen ja bereits, dass Anna wohlbehalten zurück kommt, aber es besticht durch die psychologischen Aspekte.

Jetzt landen wir in dem Teil DANACH und ab Seite 237 starten wir mit der eigentlichen Story vom Klappentext.
Alex Lake zeichnet hier die Geschichte weiter und welche Pläne der Entführer wirklich verfolgt: Leaks an die Presse, Mobbing über das Internet, Zerstörung der Person und Reputation von Julia Crown. Weitere Zerwürfnisse in der Familie und Streit der Protagonisten untereinander werden aufgezeigt und als Leser hat man den Eindruck immer mittendrin zu sein.

Leider ist sehr schnell vorhersehbar wer der Entführer ist und aus welchen Motiven gehandelt wird, was mich persönlich etwas enttäuscht hat, aber das ist meine persönliche Meinung. Andere Leser werden das vielleicht gar nicht als störend empfinden.

Im letzten Drittel nimmt das Buch nochmal richtig Fahrt auf und es bekommt tatsächlich Thrillercharakter und das große Finale wirkt im Verhältnis zum Rest des Buches fast ein wenig überzogen.

Fazit:

Alex Lake  hat es geschafft einen inhaltlich und stilistisch wirklich packenden Roman zu verfassen, der über weite Strecken nichts mit einem herkömmlichen Thriller zu tun hat.
Hier komme ich  wieder auf das Thema zu sprechen, dass der inflationäre Gebrauch von "Thriller" anscheinend Marketing bedingt eingesetzt wird, ohne auf den Inhalt des Buches zu achten.
Es ist ein Roman, der die Psyche des Menschen beleuchtet und die Interaktion einer Familie darstellt und dies wirklich anschaulich. Der Stil von Alex Lake ist gut und das Buch lässt sich flüssig lesen. Die einzelnen Protagonisten werden aus allen möglichen Winkeln beleuchtet und man bekommt einen guten Eindruck was in den Personen vorgeht und erlebt auch eine Entwicklung mit (ob gut oder schlecht sei dahingestellt).
Leider ist Julia, obwohl sie viel durchmacht, nicht immer ein wirklicher Sympathieträger gewesen bei mir, vielleicht war das auch beabsichtigt.

Einen Punkt ziehe ich ab wegen dem für mich irreführenden Klappentextes und dem großen Finale (nicht das Ende des Buches)  und gebe damit 4 Punkte für dieses Buch und spreche eine Leseempfehlung aus für alle, die Familiendramen mit psychologischen Aspekten mögen.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für die schöne Rezi! Das Buch hatte ich schon ins Auge gefasst, deine Kritikpunkte würden mich auch stören. Nun bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es im Moment was für mich ist. Ich werde es mal weiter im Auge behalten 😊
    LG Tanja

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    1. Hallo Tanja, danke für das Lob. Eigentlich ein gutes Buch.... Ist wirklich schade vom Marketing her. LG Ana

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Danke für Deine Meinung!!!